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energate messenger: Umweltministerium: Minireaktoren keine Option
https://www.energate-messenger.de/news/259505/umweltministerium-minireaktoren-keine-option
von Leonie Wolf • 22. Januar 2026
Laut der Studie bleibt Nuklearenergie auf dem weltweiten Markt „irrelevant“, denn den 5,4 GW Zuwachs an nuklearer Kapazität stehen das 100-fache von über 565 GW kombinierter neuer Kapazität an Wind- und Solarenergie gegenüber. Die Wind- und Solaranlagen weltweit erzeugten aktuell 70 Prozent mehr Elektrizität als Atomreaktoren.
Für Small Module Reactors (SMR) gibt es zudem laut dem Report noch kein marktreifes Produkt, sondern bislang nur eine Design-Zertifizierung und ein genehmigtes Standard-Design. Beide kommen vom US-amerikanischen Unternehmen NuScale. Insgesamt hat die US Nuclear Regulatory Commission bereits drei Modelle des Unternehmens genehmigt, allerdings wurden bisherige Verträge mit möglichen Kunden aufgrund erhöhten Kosten wieder aufgekündigt. Ein erster Mini-Reaktor war 2023 gescheitert. Laut der Studie sind die zwei größten europäischen Start-ups Newcleo und Naarea in finanziellen Schwierigkeiten, das französische Start-up Naarea hat bereits die Insolvenz angemeldet. Das Start-up soll nun durch die polnisch-luxemburgische Unternehmensgruppe Eneris übernommen werden.
Trotz dieser Fehlschläge halten andere Länder an der Atomenergie fest. In den Niederlanden läuft bereits seit mehreren Jahren eine Debatte über die Nutzung von SMR, die als Maßnahme zum Erreichen der Klimaziele 2030 angesehen wird. Zudem unterschrieb das niederländische Unternehmen Mammoet Ende 2025 ein Memorandum of Understanding mit Electricité de France (EDF), welches den Aufbau nuklearer Anlagen in den Niederlanden vorsieht. Schon 2022 wurden zwei Atomkraftwerke geplant, mit dem Kernkraftwerk Borssele ist zudem ein Kernkraftwerk in Betrieb.
Obwohl Deutschland aus der Atomenergie ausgestiegen ist, hält die Debatte über deren Nutzen an. Im Rahmen der Vorstellung des World Nuclear Industry Status Report sprach auch die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter. Auf Nachfrage von energate erklärte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums, dass Deutschland „aus guten Gründen“ aus der Atomkraftnutzung ausgestiegen sei. Die Risiken für die Atomenergie und auch für die Nutzung von SMR blieben „letztlich unbeherrschbar“. Außerdem werfe die Entwicklung und der Bau der kleineren Reaktoren viele weitere ungelöste Fragen auf.
Auch für die Sicherheitsversprechen gebe es bislang keine belastbaren Belege. Damit würden die Nachteile der atomaren Energie von einigen großen Anlagen auf viele kleine umgelegt. Letztendlich würden „zwar die einzelnen Anlagen kleiner, die Probleme in der Summe aber eher größer“. Zudem verwies der Sprecher auf eine Studie des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung, über die auch energate bereits berichtete. Laut dem Gutachten würden die Vorteile einer Serienproduktion von SMR erst mit einem Produktionsvolumen von circa 3.000 Stück die grundsätzlichen Kostennachteile gegenüber großen Reaktoren überwiegen.
Anders sieht das die Unionsfraktion. Ende 2024 veröffentlichten CDU und CSU ein Positionspapier, in dem sie die Forschung und Entwicklung von Kernkraftwerken, aber auch von SMR, befürworteten. Auch CSU-Vorsitzender Markus Söder sprach sich Ende 2025 in einem Interview mit der Welt für die Nutzung von SMR aus.
Der Report hält fest, dass vor allem die kontinuierliche finanzielle und politische Unterstützung für SMR den Glauben an diese am Leben hält. Vor allem private Kapitalzugaben spielten eine immer größere Rolle, um die Forschung und Entwicklung voranzutreiben. Es gebe 127 verschiedene SMR-Designs, die Fördersummen sind daher weit gestreut. Damit haben die meisten Designs nicht genügend finanzielle Ressourcen, um die Entwicklung voranzutreiben. Selbst das US-amerikanische Start-up NuScale sei laut dem Report noch Jahre davon entfernt, den ersten Small Module Reactor zu bauen, obwohl schon mehrere Designs genehmigt wurden. /lw
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