21 February 2026

Frankfurter Rundschau (Germany)

Trump will die USA zur Atommacht umbauen – Pläne wegen Zeit und Geld in Bedrängnis

Die USA wollen unter Donald Trump massiv in Atomenergie investieren. Doch wie realistisch ist der Plan? Und welche Rolle spielen persönliche finanzielle Interessen Trumps?
Source : Frankfurter Rundschau: Trump will die USA zur Atommacht umbauen – Pläne wegen Zeit und Geld in Bedrängnis https://www.fr.de/wirtschaft/trump-will-die-usa-zur-atommacht-umbauen-plaene-wegen-zeit-und-geld-in-bedraengnis-zr-94175597.html

von Nils Thomas Hinsberger • 18. Februar 2026

Washington, DC – Die Welt ist im energetischen Wandel. Der Bedarf an Strom könnte sich bis 2035 je nach Szenario um 40 bis 50 Prozent steigern, berechnete die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem „World Energy Outlook“. Treiber des Bedarfs sind wenig überraschend neue Technologien wie Künstliche Intelligenz, deren Rechenzentren große Mengen Strom für den Betrieb benötigen.

Laut der IEA hängt der steigende Bedarf aber auch mit der wachsenden Elektromobilität und neuen Heizsystemen (Klimaanlagen, Wärmepumpen) zusammen. „Das Zeitalter der Elektrizität ist angebrochen“, schrieben die Experten in ihrem Bericht. Um dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden, setzen die verschiedenen Länder auf unterschiedliche Ansätze. Die EU will etwa bis 2050 vollständige Klimaneutralität erreichen. In den USA sieht das derzeit anders aus. US-Präsident Donald Trump setzt auf fossile Energieträger wie Kohle und Öl – aber auch auf den Ausbau der Atomenergie.

Trump will Atomenergie „entfesseln“ – Tricks bei Sicherheitsprüfungen?

„Präsident Trump entfesselt Amerikas nächste nukleare Renaissance“, schrieb das US-Energieministerium am 19. Januar in einer Erklärung. Ziel sei es, über die Wiederbelebung der US-Atomenergie, die Strompreise zu senken. „Die Trump-Regierung macht die Energiesparmaßnahmen der Vorgängerregierung rückgängig, die die Energie verteuert und die Zuverlässigkeit des Stromnetzes beeinträchtigt hatten“, heißt es weiter. Die Kernenergiekapazität soll bis 2050 von 100 Gigawatt auf 400 Gigawatt gesteigert werden.

Mit der Rückbesinnung auf die Kernenergie, plant die US-Regierung massive Investitionen. 2,7 Milliarden US-Dollar sollen alleine für die heimische Urananreicherung bereitgestellt werden. Eine Milliarde US-Dollar gehen für die Wiederinbetriebnahme eines Reaktors in Pennsylvania drauf und 800 Millionen sollen für die Förderung des Einsatzes von Small Modular Reactors (SMR; sog. Mini-Reaktoren) investiert werden.

Der Betrieb von Atomreaktoren bedarf einer eingehenden Sicherheitsprüfung. Vor allem, wenn alte Reaktoren wieder zum Einsatz kommen sollen. Wie der US-Sender NPR unter Berufung auf vorliegende E-Mails berichtete, soll das US-Büro für Kernenergie an Universitäten für Freiwillige geworben haben, um Sicherheitsprüfungen zu beschleunigen. Kritiker warnen bei den eiligen Verfahren vor Sicherheitsmängeln. Die Atombehörde versicherte jedoch gegenüber NPR, weiter auf höchste Sicherheitsstandards zu setzen.

Pläne der Trump-Regierung: Teurer Atomstrom könnte noch lange auf sich warten lassen

Aber ergeben Atomreaktoren überhaupt Sinn, wenn man die Energiekosten im Land senken will? Der World Nuclear Industry Status Report (WNISR) berichtete im Februar 2025 unter Berufung auf Angaben der US-Energieinformationsbehörde (EIA), dass die Stromentstehungskosten für Atomstrom bei rund 110 US-Dollar/Megawattstunde (Stand 2023) liegen. Bis 2050 soll sich an diesem Wert erst einmal nichts ändern. Zum Vergleich: Die Stromentstehungskosten für erneuerbare Energien liegen laut der gleichen Datengrundlage bei 55 US-Dollar/MWh (2023). Statt gleich zu bleiben, sollen sich diese Kosten bis 2050 sogar auf 25 US-Dollar/MWh verringern. Diese Werte beziehen sich auf die USA, sollen aber im Vergleich mit Indien, China und der EU ähnlich ausfallen.

Neben den Kosten wird auch die Zeit einen wesentlichen Faktor in der Nuklearstrategie von Donald Trump spielen. Laut der New York Times wurden in den USA seit 1996 lediglich drei neue Kernreaktoren gebaut. Energieunternehmen würden vor allem wegen der hohen Kosten vor der Fertigung solcher Anlagen zurückschrecken. Die Times nannte als Beispiel den Bau des Kernkraftwerks Vogtle Georgia, der rund 35 Milliarden US-Dollar gekostet haben soll, was etwa dem doppelten der geplanten Kosten entsprochen habe. Außerdem verzögerte sich die Fertigstellung des Kraftwerks um sieben Jahre.

Mini-Atomkraftwerke als Ausweg? Eine Zukunftstechnologie in den Kinderschuhen

Die Strategie der USA sieht aber neben klassischen Atommeilern auch die Förderung sogenannter Mini-Atomkraftwerke vor. Die sollen deutlich kleiner sein als klassische AKWs und damit weniger Kosten und Bauaufwand verursachen. Erste Modelle solcher Small Modular Reactors gibt es bereits. Eine kommerzielle Vebreitung war bislang nicht möglich.

So setzt etwa Amazon auf die Technologie. Matt Garman, Leiter der Amazon-Cloud-Sparte, sagte laut dem Handelsblatt, dass es sich dabei um eine „sichere Quelle CO2-freier Energie“ handele.

Gegenüber Ippen.Media erklärte Jens Gröger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Öko-Institut und Experte für nachhaltige Informations- und Kommunikationstechnik, bereits im vergangenen November, dass diese SMR-Reaktoren „frühestens in zehn Jahren marktreif“ sein würden. Zudem bliebe das Problem des Atommülls. Im Grunde sei die Fokussierung auf die SMR-Technologie ein „Ablenkungsmanöver“, das Investitionen von Erneuerbaren abziehe und damit eine klimafreundliche Transformation verhindere.

Zeichen der Zeit? Trump-Firma investiert in Fusionsenergie

Trump selbst könnte auch finanziell von einer nuklearen Zukunft profitieren. Dabei geht es allerdings weniger um Atomreaktoren, in denen Atomkerne gespalten werden, sondern vielmehr um Fusionsenergie. Im Dezember 2025 berichtete unter anderem der britische Guardian, dass die Trump Media & Technology Group, zu der auch die Plattform Truth Social gehört, mit dem Energieunternehmen TAE Technologies fusionieren will. TAE ist direkt an der Entwicklung von Fusionsenergietechnologie beteiligt.

CNN berichtete weiter, dass Trump damit ein direktes finanzielles Interesse am Erfolg des zu Google gehörenden Energiekonzerns habe. Die Regulierung von Kernfusionsunternehmen unterliege etwa direkt der US-Regierung, die auch umfangreiche Forschungsmittel vergeben kann.

Bis 2031 soll das erste Fusionskraftwerk stehen, schrieb der Schweizer Rundfunk (srf). Trump hatte die Aktion Berichten zufolge schlagartig um 500 Millionen US-Dollar reicher gemacht. Ein weiterer Beweis dafür, dass Trump sein Amt auch für persönliche finanzielle Interessen nutzt – und den Nuklearsektor in den USA mit allen Mitteln ausbauen will. (Quellen: NPR, US-Energieministerium, World Nuclear Industry Status Report, New York Times, Guardian, srf) (nhi)

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