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Süddeutsche Zeitung (Germany): Asien vorne

Thursday 1 November 2018

Asien vorne

Süddeutsche Zeitung, 27. September 2018, 18:55 Neue Meiler

Trotz Energiewende: Noch immer gehen weltweit mehr Reaktoren ans Netz als alte geschlossen werden. Vor allem in Asien gibt es Projekte.

Von Michael Bauchmüller

China ist ein Rätsel, selbst für Mycle Schneider. Seit 2007 gibt er jährlich den
"World Nuclear Industry Status Report" heraus, eine detaillierte Übersicht über neue und alte Atomkraftwerke, über ewige Baustellen und neue Planungen. "Die große Frage ist: Was ist eigentlich mit China los?", sagt Schneider.

In den vergangenen Jahren stand China wie kein anderes Land für neue
Atomkraftwerke. Von den vier Reaktoren, die 2017 ans Netz gingen, waren drei in China und einer in Pakistan - letzterer aber errichtet von Chinesen. Von den fünf Reaktoren, die in der ersten Jahreshälfte in Betrieb gingen, stehen drei in China. Und jetzt?

Würde man die Ära der Atomkraft als Gebirge zeichnen, dann wäre da ein
langsamer Anstieg, gefolgt von einem steilen Gipfel. Hinter dem Gipfel aber führt eine Steilwand ins Tal. Danach kommen nur noch ein paar Hügelchen. Den letzten dieser Hügel, in den Jahren 2015 bis 2017, den errichteten Chinesen. "Seit 2016 gibt es keinen Baubeginn mehr für einen kommerziellen Reaktor", sagt Schneider. Bagger rollten nur noch für einen Versuchsbrüter an. "Was aber passiert, muss offen bleiben", sagt Schneider. Auch in China, nicht weit von Japan entfernt, war der Schock über Fukushima 2011 groß. Projekte wurden eingefroren - ob sie wieder aufgetaut werden, wisse derzeit niemand.

Allerdings sind immer noch Reaktoren in Bau, nicht nur in China, wo derzeit an 14 Reaktoren gebaut wird. Indien etwa arbeitet an sieben Akws, Russland an fünf, Südkorea und die Vereinigten Arabischen Emirate je vier. Insgesamt 49 Atomkraftwerke sind weltweit in Bau, auch in der Türkei, in Argentinien, in Bangladesch. Allerdings sieht auch das anders aus als zu Hochzeiten der
Atomkraft. Ende der Siebzigerjahre waren weltweit 234 Reaktoren in Bau, danach fiel die Zahl kontinuierlich. In den Neunzigerjahren kam die Tschernobyl-Delle, nur noch wenige neue Anlagen kamen hinzu. Ein kurzer Anstieg 2010 riss mit dem Fukushima-Unglück ab. Und mehr als 30 der Reaktoren in Bau liegen hinter Zeitplan, darunter die beiden Projekte in Frankreich und Finnland.

So ist zwar eine Renaissance der Atomkraft nicht abzusehen, ihr Ende allerdings auch nicht. Seit 2012 gingen jedes Jahr mehr Reaktoren ans Netz als abgeschaltet wurden - und dies wiederum vor allem wegen der neuen Anlagen in China. Nach Zahlen des Status-Reports sind damit weltweit 413 Reaktoren in Betrieb, fast so viele wie 30 Jahre zuvor. In Europa dagegen sind die Zahlen eindeutiger. Mittlerweile gibt es hier 52 Akws weniger als zu den Höchstzeiten. "Diese Zeiten werden nicht wiederkehren", sagt Schneider. Zumal die Anlagen nicht jünger werden: Das globale Durchschnittsalter lag zuletzt bei knapp 30 Jahren.

Über die weitere Entwicklung wagt auch der Status-Report nur eine vorsichtige Prognose. Einerseits hält der Siegeszug erneuerbarer Energien an, beziehen mittlerweile neun der 31 Atomenergie-Staaten mehr Öko- als Atomstrom, die Wasserkraft noch nicht einmal eingerechnet. Längst übertreffen die Investitionen in Wind und Solar jene in Akws um ein Vielfaches. Andererseits, so Schneider, sei die Atomenergie zuletzt vermehrt mit nationalen Sicherheitsfragen verknüpft worden. "Das ist wirklich etwas ganz Neues." Rein wirtschaftlich, da ist er sich sicher, rechne sich das Nukleargeschäft allerdings schon lang nicht mehr.

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What They Say…

“The Report sets forth in painstaking detail the actual experience and achievements of nuclear energy around the world.”

Peter A. Bradford

Former commissioner
U.S. Nuclear Regulatory Commission (NRC)
(in his foreword to the 2013 report)
“A vital public service... Uniquely independent, thorough, and timely assessment."

Amory B. Lovins

Chairman, Rocky Mountain Institute
USA
“This annual publication has over 20 years evolved into the most reliable, strikingly original, comprehensive and penetrating assessment of the global nuclear industry.”

Praful Bidwai

Financial Chronicle
Delhi, India
"Amid the hype and PR, the smoke and mirrors, of the 'nuclear renaissance', the Status Report offers a hard-edged reality check."

Walt Patterson

Associate Fellow Chatham House
London, UK
“Fantastic piece of work. Must reading for any observer of nuclear energy."

Henri Sokolski

Executive Director Nonproliferation Policy Education Center
Washington DC, USA
“Reliable research based on cold, hard facts, unlike the hype and amnesia of industry sources.”

Scott Ludlam

Senator
Australia
“Félicitations pour la dernière édition du WNISR. Formidable comme d'habitude!”

Fulcieri Maltini

International Consultant Former Director of the Nuclear Safety Account, EBRD
Italy/France
“Thought-provoking as usual.”

Will Dalrymple

Editor Nuclear Engineering International
UK
"The authoritative report on the status of nuclear power plants worldwide is the World Nuclear Industry Status Report."

USAID

Bangkok, Thailand
“Such an illuminating report.”

Sam Geall

Deputy Editor China Dialogue
London, UK
"An astounding collection of facts and figures, a myth-busting international overview… An eye-opening piece of work!"

R. Andreas Krämer

Chairman Ecologic Institute
Berlin, Germany
“I really appreciate you letting us excerpt your report! It’s incredibly well researched and comprehensive, so thank you!”

Stuart Luman

Associate Editor Bulletin of the Atomic Scientists
USA