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Ingenieur.de – SMR: Bremsspuren beim Hochlauf
https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/energie/world-nuclear-industry-status-report-2026-bremsspuren-beim-smr-hochlauf
von Stephan W. Eder • 29. September 2026
Wie ist die Lage der Nuklearwirtschaft aktuell? Einmal im Jahr beleuchtet der „World Nuclear Industry Status Report“ (WNISR) eine Bestandsaufnahme der Lage und der Trends in der internationalen Kernenergiebranche. Diesmal im Fokus die Lage im Bereich der kleinen, modularen Reaktoren, kurz SMR (Small Modular Reactors).
Die Zahlen zeigen, wie schon 2025, ein ernüchterndes Bild. “Die Realität der Nuklearindustrie im Feld ist ziemlich ernüchternd für jene, die erwartet haben, einen boomenden Sektor vorzufinden“, sagte WNISR-Chef Mycle Schneider dem pv magazine. Unzweifelhaft ist die Kerntechnik wieder in der öffentlichen Debatte. Aber so schnell, wie viele es in der Branche darstellen oder gerne hätten, scheint es nicht zu funktionieren. Vor allem der Hoffnungsträger, die SMR, erreicht jetzt anscheinend die Mühen der Ebene.
Der Energiewirtschaftler Stephen Thomas, Emeritus Professor der University of Greenwich, beschäftigte sich für den WNISR mit dem Hochlauf der SMR. Sein Fazit: „Eine Handvoll kann einen Bauplatz nachweisen und die Präparation des Bauplatzes läuft, es gibt also etwas Fortschritt“, sagte er.
Einen förmlichen Boom bei SMR konnte er in den Daten hingegen nicht erkennen. „Die Öffentlichkeit bekommt den Eindruck, dass die Welt den SMR hinterherrennt. Aber es gibt keinen kommerziell betriebenen SMR in der westlichen Welt und nur einer ist im Bau“, sagte er mit Verweis auf das kanadische Darlington-Projekt (siehe Headerbild) in Ontario. Dort hatte in diesem Frühsommer offiziell der Bau begonnen, der erste in einem G7-Staat. „Im Grunde genommen sind jedoch die Kosten und die Umsetzbarkeit unbekannt“, so Thomas.
Insgesamt setzen die Autoren des WNISR Fragezeichen an verschiedene Versprechen, die im Zusammenhang mit SMR gemacht würden:
Sieht man auf den Hochlauf der erneuerbaren Energie weltweit, dann droht die Kernkraft ohnehin den Anschluss zu verlieren. Sie dürfte dauerhaft nur eine kleinere Rolle im Strommix spielen. Erstmals erzeugten nämlich 2025 laut WNISR weltweit Solarkraftwerke mehr Strom als Kernkraftwerke. Während die Erzeugung von Nuklearstrom global 2025 gegenüber 2024 um 1,1 % stieg, gab es weltweit rund 30 % mehr Solarstrom – innerhalb eines Jahres.
Alle erneuerbaren Energiequellen zusammen – inklusive der Wasserkraft – überholten im vergangenen Jahr mit 33,4 % auch die Kohle als größten einzelnen Energieträger für die Elektrizitätsbereitstellung (32,6 %). Kernkraft lag 2025 bei 8,8 %.
Was den Planern von Kernkraftwerken derzeit zupass kommt, sind die vergleichsweise hohen Öl- und Gaspreise. Seit Beginn des Ukrainekriegs hoffen Industrieländer wie Italien, das erst jüngst ein Gesetz über die Rückkehr zur Kernkraft verabschiedet hat, auf Dauer die Betriebskosten zu konsolidieren. Auch andere Staaten wie Schweden oder Belgien hoffen so, sich in Zukunft unabhängiger von fossilen Rohstoffen aufstellen zu können. Und dafür wollen sie nicht nur erneuerbare Energiequellen nutzen.
Die Rolle als netzstabilisierendes Kraftwerk in einer von erneuerbaren Energiequellen geprägten Stromwelt machen laut Mycle Schneider, Initiator des WNISR, inzwischen die Batterieanlagen weltweit mehr und mehr streitig. Kernkraft steht da nicht allein da. Der rapide Preisverfall spielt dabei laut Schneider eine Rolle. Hinzu kommt, dass das Zusammenspiel von Solar und Batterien in Hybridkraftwerken für gut vermarktbaren Strom sorgen kann und auch zur Netzstabilität beitragen kann.
In Kanada habe sich gezeigt, so Stephan Thomas, dass die Anwendung als Netzeinspeiser das ist, was dort für die SMR übrigbleibt. „Es wurden drei potenzielle Einsatzmöglichkeiten für SMR identifiziert: eine, bei der der Strom wie bei jedem normalen Kraftwerk ins Netz eingespeist wird; eine speziell zur Wärme- und Stromversorgung der Schwerindustrie und eine zur Versorgung abgelegener Gemeinden.“ Drei Provinzen – Ontario, Saskatchewan und New Brunswick – boten Unterstützung bei der Kommerzialisierung dieser Projekte an. „Es scheint, dass die Netzoption die einzige ist, bei der Fortschritte erzielt wurden“, so Thomas. „New Brunswick scheint SMR aufgegeben zu haben, und Saskatchewan spricht nun davon, wieder auf große Reaktoren umzusteigen; somit scheint das Darlington-Projekt das einzige zu sein, das in Kanada wirklich vorankommt.“ Die wichtigsten Kennzahlen zum Kernkraftausbau weltweit
Es bleibt, dass das Interesse an der Kernkraft weltweit gestiegen sein mag, auch dass es Start-ups und technologische Entwicklungspfade für neue Technologien gibt. Die Zahlen aus dem WNISR aber zeigen noch nicht an, dass sich das wirklich im Strom- und Kraftwerksmarkt in der Breite deutlich umsetzt. Die Branche wird Geduld und Geld haben müssen, um die Versprechen umzusetzen.
Kennzahlen zur Kernkraft aus dem World Nuclear Industry Status Report 2026, Zahlen jeweils weltweit, soweit nicht anders angegeben.
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