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SRF (Switzerland): Frankreich hat ein Nuklear-Problem

Sunday 6 December 2015

Frankreich hat ein Nuklear-Problem

SRF, Montag, 30. November 2015, 14:29 Uhr

Klaus Ammann

Frankreich brüstet sich gern mit dem tiefen CO2-Ausstoss seiner Stromproduktion: 58 Atomreaktoren liefern drei Viertel des französischen Stroms – praktisch ohne Kohlendioxid zu verursachen. Doch die französische Atomindustrie ist in einer tiefen Krise.

Die Nuklearindustrie ist eine Macht in Frankreich: Nach der Automobil- und der Luftfahrtindustrie ist sie die Nummer drei. Rund 250 Firmen mit 220’000 Mitarbeitern gehören dazu.

Das Volk stütze die Atomindustrie, sagt Isabelle Jouette, Sprecherin der Sociéte Française de l’énergie nucléaire, kurz SFEN: «Die Franzosen wissen, dass die französischen AKW sicher sind und effizient funktionieren.» Ausserdem schätzten sie, dass der Strom billiger sei als in anderen europäischen Ländern. Dies habe eine aktuelle Umfrage ergeben, so Jouette.

Atomindustrie in der Krise

Doch die französische Atomindustrie befindet sich in einer äusserst schwierigen Situation, wie der unabhängige Pariser Politberater und Co-Autor des vielbeachteten Statusberichts zur Nuklearindustrie, Mycle Schneider, sagt: «Das Staatsunternehmen Areva – selbsternannter Leader im Nuklearbereich – ist bankrott.» Ausserdem sei der grösste Stromproduzent EDF hochverschuldet.

Die Gründe sind laut Schneider vielfältig: So sind die Energiepreise im Keller, und das Prestigeprojekt der französischen Nuklearindustrie, der neuartige EPR-Reaktor, kommt nicht voran. Er kann auch kaum mehr ins Ausland verkauft werden. Ausserdem will die Regierung den Anteil des Atomstroms am französischen Strommix von drei Vierteln auf die Hälfte reduzieren.

Atomkraft rentiert nicht mehr

SFEN-Sprecherin Jouette will trotzdem nicht schwarz sehen: Strom aus Sonne und Wind werde zwar immer günstiger, doch die Nuklearindustrie bleibe konkurrenzfähig. Das glaubt Politberater Schneider nicht. Zwar würden nach wie vor an verschiedenen Orten auf der Welt neue Reaktoren geplant und teils auch gebaut; doch sie liessen sich nirgends mehr wirtschaftlich betreiben.

Vom Argument der Branche, die Atomkraft sei wichtig für die Reduktion des CO2, hält er ebenfalls nichts. Frankreich könne problemlos 20 Atomkraftwerke abschalten, ohne den CO2-Ausstoss zu erhöhen. Denn ein Grossteil der 58 AKW in Frankreich würden gar nicht benutzt, «weil man schlicht den Strom nicht verkaufen kann».

Viel Strom wird verschwendet

Ausserdem werde in Frankreich «unglaublich verschwenderisch» mit Strom umgegangen, was es möglich mache, den Strom einiger weiterer AKW einzusparen, so Schneider weiter. Drittens sei es heute erwiesen, dass die Lücke, die abgeschaltete Atomkraftwerke hinterlassen, problemlos mit Strom aus erneuerbaren Quellen gefüllt werden könne.

Trotz alledem sei eine Neuausrichtung der Energiekonzerne, wie sie derzeit in Deutschland und ansatzweise auch in der Schweiz im Gange ist, in Frankreich nicht auszumachen, bedauert Schneider. Branchenvertreterin Jouette teilt diese Einschätzung, doch Bedauern äussert sie nicht: Solches sei auch gar nicht nötig, so Jouette; zwar erlebe die französische Nuklearindustrie derzeit schwierige Zeiten, tot sei sie aber noch lange nicht.

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What They Say…

“The Report sets forth in painstaking detail the actual experience and achievements of nuclear energy around the world.”

Peter A. Bradford

Former commissioner
U.S. Nuclear Regulatory Commission (NRC)
(in his foreword to the 2013 report)
“A vital public service... Uniquely independent, thorough, and timely assessment."

Amory B. Lovins

Chairman, Rocky Mountain Institute
USA
“This annual publication has over 20 years evolved into the most reliable, strikingly original, comprehensive and penetrating assessment of the global nuclear industry.”

Praful Bidwai

Financial Chronicle
Delhi, India
"Amid the hype and PR, the smoke and mirrors, of the 'nuclear renaissance', the Status Report offers a hard-edged reality check."

Walt Patterson

Associate Fellow Chatham House
London, UK
“Fantastic piece of work. Must reading for any observer of nuclear energy."

Henri Sokolski

Executive Director Nonproliferation Policy Education Center
Washington DC, USA
“Reliable research based on cold, hard facts, unlike the hype and amnesia of industry sources.”

Scott Ludlam

Senator
Australia
“Félicitations pour la dernière édition du WNISR. Formidable comme d'habitude!”

Fulcieri Maltini

International Consultant Former Director of the Nuclear Safety Account, EBRD
Italy/France
“Thought-provoking as usual.”

Will Dalrymple

Editor Nuclear Engineering International
UK
"The authoritative report on the status of nuclear power plants worldwide is the World Nuclear Industry Status Report."

USAID

Bangkok, Thailand
“Such an illuminating report.”

Sam Geall

Deputy Editor China Dialogue
London, UK
"An astounding collection of facts and figures, a myth-busting international overview… An eye-opening piece of work!"

R. Andreas Krämer

Chairman Ecologic Institute
Berlin, Germany
“I really appreciate you letting us excerpt your report! It’s incredibly well researched and comprehensive, so thank you!”

Stuart Luman

Associate Editor Bulletin of the Atomic Scientists
USA