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Der Spiegel (Germany): „Ein störanfälliges Provisorium“

Monday 12 August 2013

Japan

„Ein störanfälliges Provisorium“

Nuklearexperte Mycle Schneider, 54, Herausgeber des „Welt-Statusberichts Atomenergie“, über das Krisenmanagement in Fukushima

SPIEGEL: Japans Regierung hat den Konzern Tepco kritisiert, weil das verseuchte Wasser ins Meer läuft. Sollte der Staat die Kontrolle übernehmen?

Schneider: Die Firma ist de facto bereits bankrott und wurde nationalisiert, der Staat wäre also zuständig. Doch sie darf weiterwurschteln, als ginge es darum, eine Garage zu reparieren. Dabei erfordert der Umgang mit der beispiellosen Zerstörung von vier Atomanlagen die Beratung durch die besten internationalen
Experten.

SPIEGEL: Was ist das größte Problem?

Schneider: Täglich drücken 400 Tonnen Grundwasser in die Keller, wo sich hochradioaktiv verseuchtes Wasser sammelt. Diese gewaltigen Massen fließen zum Teil ins Meer. Tepco will nun eine Wand mit Kühlmitteln in den Boden einziehen, die das Grundwasser vereist. Aber das wäre, wie so vieles in Fukushima, ein störanfälliges Provisorium: Es versagt, falls der Strom ausfällt. Anfällig ist auch die Kühlung: Die vier Kilometer langen Leitungen sind vor allem aus Plastik, nicht aus Stahl; Frost führt im Winter zu zahlreichen
Lecks. Dabei müsste das System Jahrzehnte halten, bis der zerstörte
Kernbrennstoff entfernt werden kann.

SPIEGEL: Wie schwer ist die radioaktive Belastung der Umwelt?

Schneider: Das Wasser ist besonders problematisch. Tepco lagert knapp 300000 Tonnen belastetes Wasser in provisorischen Tanks; bis Mitte 2015 sollen es mehr als doppelt so viele sein. Die Untersuchungskommission des Parlaments hat errechnet, dass in dem
ganzen Wasser rund dreimal so viel radioaktives Cäsium-137 freigesetzt wurde wie beim GAU von Tschernobyl. Auch ist Reaktor 4, in dessen Abklingbecken mehr Brennstäbe unter freiem Himmel lagern als in den drei anderen Reaktoren zusammen, in katastrophalem Zustand.

What They Say…

“The Report sets forth in painstaking detail the actual experience and achievements of nuclear energy around the world.”

Peter A. Bradford

Former commissioner
U.S. Nuclear Regulatory Commission (NRC)
(in his foreword to the 2013 report)
“A vital public service... Uniquely independent, thorough, and timely assessment."

Amory B. Lovins

Chairman, Rocky Mountain Institute
USA
“This annual publication has over 20 years evolved into the most reliable, strikingly original, comprehensive and penetrating assessment of the global nuclear industry.”

Praful Bidwai

Financial Chronicle
Delhi, India
"Amid the hype and PR, the smoke and mirrors, of the 'nuclear renaissance', the Status Report offers a hard-edged reality check."

Walt Patterson

Associate Fellow Chatham House
London, UK
“Fantastic piece of work. Must reading for any observer of nuclear energy."

Henri Sokolski

Executive Director Nonproliferation Policy Education Center
Washington DC, USA
“Reliable research based on cold, hard facts, unlike the hype and amnesia of industry sources.”

Scott Ludlam

Senator
Australia
“Félicitations pour la dernière édition du WNISR. Formidable comme d'habitude!”

Fulcieri Maltini

International Consultant Former Director of the Nuclear Safety Account, EBRD
Italy/France
“Thought-provoking as usual.”

Will Dalrymple

Editor Nuclear Engineering International
UK
"The authoritative report on the status of nuclear power plants worldwide is the World Nuclear Industry Status Report."

USAID

Bangkok, Thailand
“Such an illuminating report.”

Sam Geall

Deputy Editor China Dialogue
London, UK
"An astounding collection of facts and figures, a myth-busting international overview… An eye-opening piece of work!"

R. Andreas Krämer

Chairman Ecologic Institute
Berlin, Germany
“I really appreciate you letting us excerpt your report! It’s incredibly well researched and comprehensive, so thank you!”

Stuart Luman

Associate Editor Bulletin of the Atomic Scientists
USA